Themenfeld
Gesellschaftliche Dimensionen interkultureller Beziehungen
Als wesentlicher Beitrag der internationalen Kulturtransferforschung kann der Nachweis weit verzweigter Wechselwirkungen von interkulturellen Beziehungen und dem Wandel von nationalen Gesellschaften gelten. Interkulturalität für das östliche Europa zu analysieren, bedeutet den Blick auf transregionale Verflechtungsprozesse zu erweitern.
Mit kunst-, stadt-, wirtschafts-, und sozialgeschichtlichen Forschungen, die vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart reichen, wird ein breites Themenspektrum behandelt. Dazu zählen Fragen nach den soziokulturellen Spezifika einer frühneuzeitlichen Stadtgesellschaft oder des postsozialistischen Kunstbetriebes, Fragen nach den Kulturen des Wirtschaftens in der Region unter der global condition seit dem späten 19. Jahrhundert, Fragen nach der kulturellen Bedeutung von Arbeit in der staatssozialistischen Industriegesellschaft verglichen mit dem kapitalistischen Wohlfahrtsstaat oder der ökonomischen Bedingtheit der Konstruktionen von Eigen- und Fremdbildern um 1900. Die Forschungsthemen zeichnen sich durch methodologische Vielfalt und einen kritischen Blick auf lang etablierte Vorstellungen von Zentrum und Peripherie, Modell und Rezeption, Fortschritt und Rückständigkeit aus und hinterfragen essentialistische Identitätskonstruktionen.
Forschungsthemen
Institutionen und Kulturen des Wirtschaftens
Untersucht werden Transfers von ökonomischen Institutionen in das östliche Europa und deren Adaption an regionale Rahmenbedingungen, Wertvorstellungen und Handlungsmuster. Ziel sind Antworten auf die Frage nach der Rolle von Verflechtungs- und Globalisierungsprozessen für die Herausbildung und Entwicklung regionalspezifischer Kulturen des Wirtschaftens.
Rechtsextremer digitaler Aktivismus
Das Projekt untersucht rechtsextremen Erinnerungsaktivismus in Südosteuropa und dessen über die Region hinausreichende, transnationale Verbindungen.
Schwarze Performance-Künstler*innen in Rumänien, 1910 bis 1940
Auf der Grundlage visueller Kultur und Performance-Studien untersucht das Projekt die Rezeption von Jazz und verwandten Unterhaltungsformen im Rumänien der Zwischenkriegszeit und wie das kulturelle, soziale und politische Klima in der Region durch die Präsenz Schwarzer Künstler*innen geprägt wurde und darauf reagierte.
Vergnügungskulturen in multiethnischen Städten
Mit Blick auf Vergnügungskulturen werden Öffentlichkeiten in multiethnischen Städten um 1900 erforscht. In der Historiografie verankerte städtische Raumordnungen und Konfliktnarrative sollen auf den Prüfstand gestellt werden.
Vormoderne Migrationsgesellschaft
Am Beispiel einer frühneuzeitlichen Stadtgesellschaft im Osten Europas werden die soziokulturellen Konsequenzen langfristiger wie vielgestaltiger Migrationsprozesse untersucht. Ziel ist das Nachzeichnen und Erklären der Spezifika, die das multiethnische und multikonfessionelle städtische Zusammenleben jenseits nationaler Antagonismen geprägt haben.