Fassadendetail Specks Hof

Geschichte des GWZO

Das östliche Europa als dynamische Geschichtsregion erforschen

– diese Leitidee bestimmt Zielsetzung, Arbeitspraxis und Erfolgsrezept des GWZO schon ein Vierteljahrhundert.

Am 30. Oktober 1995 gegründet, geht das heutige Leibniz-Institut GWZO auf Empfehlungen des Wissenschaftsrats zurück. Als man 1991 daran ging, die Akademie der Wissenschaften der DDR aufzulösen, sollten Teile der geistes- und kulturwissenschaftlichen Akademieforschung in »geisteswissenschaftlichen Forschungszentren« fortgeführt werden. Unter der Ägide der Max-Planck-Gesellschaft wurde damals die »Fördergesellschaft Wissenschaftliche Neuvorhaben mbH« gegründet, in der auf Anregung des Osteuropahistorikers Klaus Zernack auch ein »Forschungsschwerpunkt Kultur und Geschichte Ostmitteleuropas« eingerichtet wurde. Dessen ausgezeichnete Arbeit führte unter anderem dazu, dass der Wissenschaftsrat in seinen »Empfehlungen zur Förderung Geisteswissenschaftlicher Zentren« vom November 1994 auch den »Forschungsschwerpunkt Kultur und Geschichte Ostmitteleuropas« zur Aufnahme in die Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) vorsah. Die Grundfinanzierung übernahm der Freistaat Sachsen, und so konnte Anfang 1996 das GWZO seine Arbeit in Leipzig aufnehmen. Zum Gründungsdirektor wurde der Historiker Winfried Eberhard bestellt. Das Zentrum kooperiert seitdem eng mit der Universität Leipzig und ist ihr seit 2003 als An-Institut verbunden.

Professor Zernack, Direktor Eberhard und Direktor Lübke

Direktorenwechsel, Umzug in die Innenstadt und 20-jähriges Jubiläum

Im Jahr 2007 übernahm der Osteuropahistoriker Christian Lübke die Leitung des Geisteswissenschaftlichen Zentrums. Mit dem bald darauf folgenden Umzug in die Leipziger Innenstadt ist das GWZO nicht nur in räumlicher Hinsicht deutlich näher an die Universität herangerückt. Mit seinen wissenschaftlichen Veranstaltungen und ganz besonders mit den regelmäßigen Ringvorlesungen wird nicht nur das Leipziger Fachkollegium und die Studierendenschaft, sondern auch ein breites, interessiertes Stadtpublikum erreicht. 2015 feierte das Institut Jubiläum: zwanzig Jahre erfolgreiche Forschungstätigkeit, die dem GWZO zwei Jahre später die erhoffte Aufnahme in die Leibniz-Gemeinschaft einbrachte.

Das GWZO als Leibniz-Institut

Seit 2017 ist das GWZO Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Seither lautet sein Name »Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO)«. Die Abkürzung GWZO wurde als eingeführtes Markenzeichen beibehalten. Mit der Aufnahme in die Leibniz-Gemeinschaft erfolgte eine organisatorische und inhaltliche Neuausrichtung des Instituts. Administrativ gliedert sich das GWZO seitdem in den Programmbereich »Forschungen zum östlichen Europa«, der die drei wissenschaftlichen Abteilungen »Mensch und Umwelt«, »Kultur und Imagination« sowie »Verflechtung und Globalisierung« umfasst, in den Programmbereich »Transfer von Forschungsergebnissen« mit der forschungsbasierten Querschnittsabteilung »Wissenstransfer und Vernetzung« (einschließlich Bibliothek) und in eine Verwaltungsabteilung.

Specks Hof, Historische Postkarte, Anfang 20. Jahrhundert

Das Domizil - ein Messepalast: Specks Hof im Herzen der Stadt

Das GWZO hat seinen Sitz in einem besonders geschichtsträchtigen Ort Leipzigs, im Messepalast Specks Hof. Die älteste noch erhaltene Ladenpassage der Stadt, deren Geschichte bis ins 15. Jahrhundert zurückgeht, liegt mitten im Zentrum. Der Name der Institutsadresse, die Reichsstraße, erinnert daran, dass sich bei Leipzig die von Norden nach Süden verlaufende alte Handelsstraße Via Imperii mit der Via Regia kreuzte, die Nowgorod und Moskau im Nordosten Europas mit Santiago de Compostela im Südwesten verband. Anfang des 20. Jahrhunderts war Specks Hof das größte Messehaus der Stadt, Händler aus aller Welt boten hier ihre Ware an. Unter ihnen waren nicht wenige Geschäftsleute aus dem östlichen Europa. Specks Hof war schon in damaliger Zeit ein Ort der Vielfalt, Internationalität und Weltoffenheit, Werte, für die auch unser Institut steht.

Europakarte mit Via Regia und Via Imperii

Das GWZO am Wissenschaftsstandort Leipzig

Leipzig mit seiner langen Wissenschaftstradition ist für Forschungen zum östlichen Europa ein exzellenter Standort. Nicht nur die mittelalterlichen Handelswege, die den Osten mit dem Westen, den Süden mit dem Norden verbanden, kreuzten sich hier. Leipzig war traditionell ein Umschlagplatz von Waren und von Wissen. Die ersten Gelehrten der 1409 gegründeten Universität kamen von der Universitas Pragensis, der heutigen Karlsuniversität. Die langen wissenschaftlichen Beziehungen zu Polen verbürgt die bis ins Jahr 1774 zurückreichende Fürstlich Jablonowskische Gesellschaft der Wissenschaften zu Leipzig (heute Societas Jablonoviana) und seit 1870 wird in Leipzig Slawistik gelehrt.

Das Leibniz-GWZO heute

Heute zählt der Forschungsbetrieb des GWZO rund 50 Beschäftigte: in- und ausländische Expertinnen und Experten der Geschichtswissenschaft, Archäologie, Kulturgeschichte, Kunstgeschichte, Sprach- und Literaturwissenschaft und weiterer Disziplinen, Fachleute für große Kunstausstellungen, die Redaktion von Handbüchern und das Forschungsdatenmanagement, Fachkräfte in der Öffentlichkeitsarbeit, Bibliothek und Verwaltung.

Gemeinsam das Wissen zum östlichen Europa mehren

In guter Nachbarschaft mit weiteren außeruniversitären Einrichtungen wie dem Fraunhofer-Zentrum für Mittel- und Osteuropa, dem Leibniz-Institut für Länderkunde, dem Polnischen Institut Leipzig und dem Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow trägt das GWZO durch seine vielseitigen Forschungen, öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen und in den letzten Jahren auch durch Ausstellungen in Deutschland, Europa und Übersee zum Wissen über die Geschichte und Kultur unserer östlichen und südlichen Nachbarn bei.