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Dem Kommunismus auf der Spur

In historischen Stadtführungen wird Geschichte raumgebunden, mündlich und interaktiv erzählt. Am Beispiel der Präsentation des Staatssozialismus in kommerziellen Communism Tours untersucht das Projekt die Popularisierung, Kommodifizierung und Authentisierung von Zeitgeschichte in der gegenwärtigen Tourismusindustrie.

Kulturpalast in Warschau
»Kommunismustour« am Kulturpalast in Warschau, 2016. © Sabine Stach

Dem Kommunismus auf der Spur. Verortung und Verkauf von Geschichte in der touristischen Stadtführung
Die touristische Führung ist eine ebenso alte wie populäre Form der Interpretation lokalen Kulturerbes für ein auswärtiges Publikum. Mit der Deregulierung des Tour Guiding in vielen europäischen Städten haben sich in den letzten Jahren zahlreiche neue Formen thematischer Stadtbesichtigungen, darunter »Free Walking Tours« ebenso wie stark erlebnisorientierte Formate, entwickelt. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich sogenannte »Kommunismustouren«, in denen der Staatssozialismus und seine Folgen auf unterhaltsame Weise für westliche Reisende präsentiert werden.
Mittels ethnografischer Methoden nähert sich das Projekt solchen Touren in Warschau, Prag und Bratislava an. Historische Stadtführungen begreift es als eine spezifische Form des Doing History, deren Analyse Einblicke in die Epistemologie populären Geschichtswissens liefert. Besonderes Interesse gilt dabei den verschiedenen Praktiken der narrativen, visuellen und performativen Authentisierung von Zeitgeschichte. Hierfür werden Konzepte der Tourismusforschung, der Heritage und Reenactment Studies mit Fragen der transkulturellen Remediatisierung von Erinnerung zusammengebracht.
 

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