Themenfeld
Positionierungen in internationalen Organisationen und Konflikten
In neueren Forschungen über die Geschichte internationaler Organisationen und die Neuordnung der Welt nach den »großen« – heißen wie kalten – Kriegen des 20. Jahrhunderts ist die lange dominierende Konzentration auf die Bipolarität des West-Ost-Konfliktes ebenso erweitert worden, wie die traditionelle staatszentrierte Perspektive. Ins Zentrum rücken zunehmend Fragestellungen, die auf Anliegen, Positionierungen, Handlungsspielräume von Akteuren aus aller Welt ebenso zielen, wie auf deren multiplen nationalen, staatlichen, politischen und professionellen Zugehörigkeiten.
In diesem Rahmen wird das breite Spektrum osteuropäischer Beteiligungen an internationalen und regionalen Organisationen untersucht, die sich seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert zu Knotenpunkten von Interaktionen sowie zu zentralen Arenen der Regulierung von grenzüberschreitenden Problemlagen und Konfliktkonstellationen entwickelt hatten. In Bezug auf die globalen Neuordnungen im Gefolge von internationalen Konflikten wird erforscht, welche osteuropäischen Expertisen über die »Welthaltigkeit« von regionalen Problemlagen entwickelt wurden und auf welche Kapazitäten an »Weltgängigkeit« bei ihrer überregionalen Lösung zurückgegriffen werden konnte.
Forschungsthemen
Fachexpertise im internationalen Raum
Untersucht werden polnische Experten, die in den Sekretariaten des Völkerbundes sowie der Vereinten Nationen Schlüsselpositionen innehatten und diese in Rückgriff auf ihre (trans-)regionalen Vernetzungen für alternative Sachpolitik sowie zur Umgestaltung der internationalen Beziehungen nutzten.
Femizide: Eine europäische Geschichte
Das Projekt untersucht die Geschichte der Gewalt gegen Frauen in Europa im langen 20. Jahrhundert. Es beleuchtet die komplexen Wechselwirkungen zwischen privatem und öffentlichem Raum, zwischen gesellschaftlichen Normen und gesetzgeberischer Praxis.
Im Angesicht der Katastrophe
Diese Studie untersucht die jüdischen Reaktionen auf die antisemitische Gewalt in Rumänien zwischen 1938 und 1948. Sie konzentriert sich auf den führenden und langjährigen Vertreter der jüdischen Gemeinschaft in dieser Zeit und fragt nach konkreten Bemühungen und Netzwerken sowie nach Formen des Widerstands.
Politikerinnen und der Nachkriegswiederaufbau in Rumänien
Wie haben Politikerinnen und Aktivist*innen die Neugestaltung wichtiger politischer Bereiche in der Nachkriegszeit geprägt? RECKON untersucht die geschlechtsspezifische Transformation der Bereiche Gesundheitswesen, Arbeit, Außenpolitik und Kultur nach dem Zweiten Weltkrieg, wobei der Schwerpunkt auf Rumänien in den Jahren 1944–1948 liegt.
Queerer Aktivismus in Polen
Die zeithistorisch angelegte Studie untersucht, wie sich queere Aktivist*innen in Polen seit den 1980er Jahren vernetzten und organisieren. Anhand von umfangreichem Quellenmaterial werden dabei die unterschiedlichen politischen Strategien und die Rolle von transnationalen Netzwerken analysiert.
RGW und Weltwirtschaftsordnung
Untersucht werden die Wirtschaftsbeziehungen der europäischen RGW-Staaten zu Ländern des Globalen Südens, das Agieren von osteuropäischen Unternehmen auf den europäischen und globalen Verkehrsmärkten sowie die politischen und wissenschaftlichen Bemühungen um Veränderungen in der Weltwirtschaftsordnung.
Sexual Violence in Asia and Central and Eastern Europe in World War II
Englischsprachiger Sammelband »Gendered Violence in War and the Structures of Silencing. Vergleichende Perspektiven auf Asien und Mittel- und Osteuropa nach dem Zweiten Weltkrieg«