Ringvorlesung »East to East« 2026-27
GWZO–Ringvorlesung 2026/27
»East to East« – Verflechtungen zwischen dem östlichen Europa und Ostasien
Seit der Verstärkung der chinesisch-russischen Zusammenarbeit im Zuge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine rückt die Kooperation zwischen Regionen, die gemeinhin als »Ost« bezeichnet werden, zunehmend in den Fokus westlicher Debatten über eine sich verändernde Weltordnung. In Kooperation mit der Universität Leipzig (ReCentGlobe, Ostasiatisches Institut) untersucht die GWZO-Ringvorlesung historische Verflechtungen zwischen dem östlichen Europa und Ostasien aus ökonomischer, intellektueller und wissenschaftshistorischer Perspektive und blickt dabei über die sino–sowjetischen beziehungsweise sino–russischen Beziehungen hinaus.
Die Auftakt– und Abschluss–Podiumsdiskussionen widmen sich der Frage, ob aktuelle Verschiebungen als Deglobalisierung und Entstehung neuer Blöcke oder vielmehr als eine neue Phase des transregionalen Austauschs unter veränderten Rahmenbedingungen zu verstehen sind.
Die Veranstaltungen der diesjährigen Ringvorlesung finden vollständig in englischer Sprache statt.
Die Ringvorlesung findet hybrid statt. Für eine Online-Teilnahme können Sie sich über folgenden Link registrieren: Zur Anmeldung
Beginn: 21. Oktober 2026, 17:00 Uhr im GWZO
Detailprogramm
21. Oktober 2026, 17 Uhr, GWZO, Reichsstraße 4-6, 4. Stock
Auftakt–Podiumsdiskussion
Prof. Dr. Frank Hadler (GWZO), Prof. Dr. Nadine Heé (Universität Leipzig, Ostasiatisches Institut/ReCentGlobe), Prof. Dr. Elisabeth Kaske (Universität Leipzig, Ostasiatisches Institut) und Prof. Dr. Jie-Hyun Lim (Sogang-Universität, Critical Global Studies Institute) im Gespräch.
Mit einem Vortrag von Prof. Dr. Jie-Hyun Lim: Positivistischer versus imaginierter Osten: Die Dezentrierung von Ost und West in den »Global Easts« (Vortrag auf Englisch)
Durch die radikale Gegenüberstellung historischer Selbstbilder im östlichen Europa und Ostasien befreit dieser Vortrag die »Global Easts« aus einem geopositivistischen Eurozentrismus. »Global Easts« fungiert dabei als Scharnier und nicht als Peripherie, um die eingenommene Bipolarität von Ost und West aufzubrechen.
4. November 2026, 17 Uhr, GWZO, Reichsstraße 4-6, 4. Stock
Multiple Konfigurationen östlicher Transimperialitäten: Crossroads Asia, Transottomanica und Meta-Area-Studies (Vortrag auf Englisch)
Prof. Dr. Stefan Rohdewald (Universität Leipzig, Historisches Seminar)
Der Vortrag gibt Einblicke in Diskussionen um die Entwicklung von Raumkonzepten, die über die Vorstellung von »Containerräumen« hinausgehen. Da der Rahmen dieser Ringvorlesung ganz Asien und große Teile Europas umfasst, besteht die Herausforderung darin, Ansätze oder Metaphern zu evaluieren, die sich sowohl für mesohistorische Raumkonfigurationen als auch für Verflechtungen eignen, die sehr große Distanzen und mehrere historische Epochen überbrücken.
(Moderation: Prof. Dr. Elisabeth Kaske, Universität Leipzig)
25. November 2026, 17 Uhr, GWZO, Reichsstraße 4-6, 4. Stock
Die weltpolitische Dimension russisch–sowjetischer Grenzverschiebungen im östlichen Europa aus japanischer Perspektive (Vortrag auf Englisch)
Prof. Dr. Yoko Aoshima (Hokkaido Universität, Slavic-Eurasian Research Center)
Der Vortrag gibt zunächst einen Überblick über das wissenschaftliche Interesse Japans an Russland, der Sowjetunion sowie dem östlichen Europa, um darauf aufbauend die Interpretationen zum Beginn und Ende des Zweiten Weltkriegs im östlichen Europa und in Ostasien zu vergleichen. Im Zentrum steht die Analyse von Unterschieden und Verflechtungen hinsichtlich historischer Grenzverschiebungen. Abschließend wird erörtert, wie diese Deutungsmuster der japanischen Wissenschaft die Sichtweise des Landes auf die Nachkriegsweltordnung prägen.
(Moderation: Prof. Dr. Nadin Heé, Universität Leipzig)
9. Dezember 2026, 17 Uhr, GWZO, Reichsstraße 4-6, 4. Stock
Die Wirtschaft des sino–sowjetischen Bündnisses und sein Fortwirken (Vortrag auf Englisch)
Dr. Karina Khasnulina (GWZO) und Dr. Jan Zofka (GWZO)
Das sino–sowjetische Bündnis der 1950er Jahre veränderte nicht nur die Industrielandschaft der jungen Volksrepublik, sondern führte auch zu einer Umverteilung der globalen Technologie– und Wissensströme. Der Vortrag zeichnet die Geschichte des Bündnisses von seinen Anfängen aus Beton und Stahl bis hin zu seinem langen und wechselhaften Fortwirken nach und schließt mit der Erinnerung an dieses Bündnis im heutigen China.
(Moderation: Dr. Uwe Müller, GWZO)
6. Januar 2027, 17 Uhr, GWZO, Reichsstraße 4-6, 4. Stock
Die beiden Traditionen der Chinastudien in Ungarn (Vortrag auf Englisch)
Dr. Péter Vámos (ELTE Research Centre for the Humanities, Institute of History)
Der Vortrag gibt einen Überblick über das vergangene Jahrhundert der ungarischen Sinologie und der modernen Chinastudien aus globaler, struktureller und historischer Perspektive. Er beleuchtet die Entwicklung von den ungarischen Anfängen des Orientalismus – zu dem auch die Sinologie gehörte und der den Eurozentrismus als selbstverständliche Prämisse zugrunde legte – bis hin zum heutigen Stand der modernen Chinastudien in Ungarn.
(Moderation: Dr. Jan Zofka, GWZO)
20. Januar 2027, 17 Uhr, GWZO, Reichsstraße 4-6, 4. Stock
Wirtschaftsreformen im östlichen Europa und die frühe »Reform- und Öffnungspolitik« in China (1978–1989): Eine transnationale Geschichte des intellektuellen Austauschs (Vortrag auf Englisch)
Prof. Dr. Felix Wemheuer (Universität zu Köln, Ostasiatisches Seminar)
Nach dem Tod Mao Zedongs führten Chinas Politik und Wirtschaftswissenschaft intensive Debatten über die Umgestaltung der zentralen Planwirtschaft des Landes. Die Wirtschaftsreformen im östlichen Europa dienten dabei als wichtiger Referenzpunkt: Chinesische Delegationen wurden nach Jugoslawien und Ungarn entsandt, um die Erfolge und Missfolge der dortigen Wirtschaftspolitik zu analysieren; gleichzeitig reisten osteuropäische Ökonomen nach China, um mit Parteikadern und führenden Wirtschaftswissenschaftlern zu diskutieren – mit Impulsen, die weit über den akademischen Rahmen hinausreichten. Ausgehend von einer transnationalen Intellektuellengeschichte auf der Grundlage historischer Dokumente und Fachzeitschriften geht dieser Vortrag der Frage nach, warum die Wirtschaftsreformen im östlichen Europa den Zusammenbruch des Sozialismus nicht verhindern konnten, während Chinas »Reform- und Öffnungspolitik« von Erfolg gekrönt war.
(Moderation: Dr. Karina Khasnulina, GWZO)
3. Februar 2027, 17 Uhr, GWZO, Reichsstraße 4-6, 4. Stock
Abschluss–Podiumsdiskussion: Die Erforschung der »Global Easts« in einer sich wandelnden Weltordnung (Podiumsdiskussion auf Englisch)
Prof. Dr. Maren Röger (GWZO), PD Dr. Daniel Hedinger (Universität Leipzig, Ostasiatisches Institut/ReCentGlobe), Dr. Steffi Marung (Universität Leipzig, Global and European Studies Institut) und Prof. Dr. Sören Urbansky (Ruhr Universität Bochum, Historische Fakultät) im Gespräch.
Die Podiumsdiskussion »Studying Global Easts in a Changing World Order« beschließt die Vorlesungsreihe »East to East – Connecting Eastern Europe and East Asia« mit der großen Frage, welche Zukunft die Erforschung der »Global Easts« im bundesdeutschen Umfeld hat. Was sind, von hier aus gesehen, die spannendsten Fragen und Kontroversen, die sich in dem Feld in naher Zukunft abzeichnen? Welche Orte und Plattformen für solche Forschung gibt es, sind gerade im Entstehen, oder müsste man sich ausdenken? Was bedeuten die (Um-)Brüche in der politischen und ökonomischen Weltordnung für die Forschung in dem Feld und welche Rolle können und wollen Wissenschaftler*innen angesichts zunehmender geopolitischer Spannungen spielen?
(Moderation: Dr. Jan Zofka, GWZO)