Thema
Erkundungen zur Umweltgeschichte Armeniens (1960er-2010er Jahre)
Aufgrund von Sicherheits- und Umweltrisiken führte Armeniens einzige Nuklearanlage, das Kernkraftwerk Metsamor, zum Engagement von Aktivist*innen. Diese Studie untersucht die Rolle Metsamors in den spätsowjetischen und postsowjetischen Umweltbewegungen und vergleicht die lokalen Bemühungen mit osteuropäischen Anti-Atomkraftkampagnen.
Umweltaktivismus und nukleare Sicherheit: Eine Studie über das armenische Kernkraftwerk Metsamor, 1960er-2010er Jahre
Das Kernkraftwerk Metsamor, 36 km westlich von Eriwan gelegen, ist die einzige kerntechnische Anlage im Südkaukasus. Es ist seit 1976 in Betrieb und erzeugt etwa 40 % des armenischen Stroms. Das Fehlen eines sekundären Sicherheitsbehälters und die Lage des Reaktors in einer erdbebengefährdeten Region haben jedoch zu anhaltenden Sicherheits- und Umweltbedenken geführt und ihn zu einem Brennpunkt für Aktivismus und politische Debatten gemacht. Dieses Projekt untersucht den Umwelt-Aktivismus rund um Metsamor in der späten sowjetischen und postsowjetischen Ära in seinem transnationalen Kontext. Die geopolitische Lage Armeniens, insbesondere seine Abhängigkeit von Russland in Bezug auf Nukleartechnologie und -brennstoff, beeinflusste den Metsamor-Aktivismus erheblich. Regionale Spannungen mit Aserbaidschan und der Türkei sowie die Tatsache, dass Armenien ein Binnenstaat ist, erschwerten die Energiepolitik zusätzlich und wirkten sich auf die Debatten über Metsamor aus, in deren Mittelpunkt politische Souveränität, nukleare Sicherheit und Umweltschutz stehen. Im Projekt wird untersucht, wie diese Faktoren die Effektivität und die langfristigen Auswirkungen des Umwelt-Aktivismus im Vergleich zu anderen postsowjetischen Staaten beeinflusst haben. Ähnliche Dynamiken zeigten sich in Litauen, wo die Proteste gegen das Kernkraftwerk Ignalina eng mit den Bestrebungen nach Unabhängigkeit verbunden waren, sowie in der Ukraine, wo das Erbe der Katastrophe von Tschernobyl eine Massenmobilisierung rund um Fragen der Sicherheit, Souveränität und ökologischen Risiken auslöste. Insgesamt analysiert diese Studie die Beziehung zwischen Atompolitik, Umweltaktivismus und Geopolitik und bietet neue Einblicke in die postsowjetischen Umweltbewegungen. Durch die Untersuchung dieser Dynamiken leistet die Studie einen Beitrag zur Geschichtsschreibung des Umweltaktivismus in postsowjetischen Staaten in ihrem internationalen Kontext.