Thema
Geschlechtsspezifische Gewalt in Belgien und im »Protektorat Böhmen und Mähren«
Das Projekt untersucht geschlechtsspezifische Gewalt während des Zweiten Weltkriegs in Belgien sowie im »Protektorat Böhmen und Mähren«. Es vergleicht Tagebücher und Gerichtsakten, um Erfahrungen, Wahrnehmungen und Darstellungen von Gewalt zu analysieren.
Geschlechtsspezifische Gewalt während des Zweiten Weltkriegs in Belgien und im »Protektorat Böhmen und Mähren« (1939–1946)
Im Zentrum des vergleichenden Projekts steht die Frage, wie geschlechtsspezifische Gewalt unter deutscher Besetzung in Belgien sowie im deutschen „Reichsprotektorat Böhmen und Mähren“ zwischen 1939 und 1946 wahrgenommen wurde. Während sich die bisherige Forschung vor allem auf sexualisierte Gewalt oder intime Beziehungen zwischen Zivilbevölkerung und Besatzern konzentriert hat, wird geschlechtsspezifische Gewalt in diesem Projekt als Kontinuum gedeutet. Untersucht werden unterschiedliche Gewaltformen – von alltäglichen Grenzüberschreitungen und Demütigungen bis hin zu sexueller und körperlicher Gewalt – sowie deren Wahrnehmung durch Betroffene, Täterinnen und Zeuginnen. Grundlage der Untersuchung sind Tagebücher und Gerichtsakten, die sowohl Gewalterfahrungen als auch die Erinnerung dran sichtbar machen. Durch den Vergleich zweier unterschiedlich besetzter Gesellschaften können sowohl gemeinsame Muster als auch regionale Spezifika herausgearbeitet werden. Das Projekt verbindet Geschlechter-, Gewalt- und Emotionsgeschichte mit der Erforschung von Ego-Dokumenten und trägt so zu einem besseren Verständnis von Kriegserfahrungen, Besatzungssituationen und gesellschaftlichen Normen im Europa des 20. Jahrhunderts bei.