Thema
Queerer Aktivismus in Polen
Die zeithistorisch angelegte Studie untersucht, wie sich queere Aktivist*innen in Polen seit den 1980er Jahren vernetzten und organisieren. Anhand von umfangreichem Quellenmaterial werden dabei die unterschiedlichen politischen Strategien und die Rolle von transnationalen Netzwerken analysiert.
Queerer Aktivismus in Polen – Transnationale Netzwerke und polnische Selbstverortungen seit den 1980er Jahren
Queerer Aktivismus ist in Polen kein erst seit dem EU-Beitritt 2004 aufgetretenes Phänomen. In Städten wie Warschau, Gdańsk und Wrocław existierten bereits seit den 1980er Jahren erste schwule und schwul-lesbische Strukturen, oft inoffiziell oder subkulturell. Damals entwickelten Aktivist*innen mithilfe transnationaler Netzwerke wie des maßgeblich von der Homosexuellen Initiative Wien betriebenen Projekts Eastern Europe Information Pool vielfältige Wege, sich im Staatssozialismus zu organisieren. Auch nach den politischen Umbrüchen 1989/90 blieb diese transnationale Zusammenarbeit von Bedeutung.
Anhand von Archivmaterial, (Untergrund-)Zeitschriften und Zeitzeug*inneninterviews analysiert die Studie nicht nur die Entstehung und Entwicklung queerer Gruppen in Polen, sondern auch die Aushandlungs- und Politisierungsprozesse polnischer Aktivist*innen in dieser Gründungsphase. Diese waren keinesfalls eine homogene Gruppe, sondern wählten unterschiedliche Strategien zur Realisierung ihrer Ziele. Die Analyse von queeren Zeitschriften »Filo«, »Inaczej« und »Replika« zeigt die Suche der Aktivist*innen nach Selbstverortung in einem sich nach dem Ende der Blockkonfrontation neuformierenden Europa sowie in der sich transformierenden polnischen Gesellschaft.