Thema
Persönliche Kartografien
Das Projekt erfasst die lokale Wissensproduktion und Erinnerung an den Holocaust an Juden und Roma in Polen. Dafür werden kritische Kartografie und Sozialanthropologie eingesetzt und häufig unterschätzte Quellen wie handgezeichnete Karten genutzt.
Persönliche Kartografien: Die Kartierung des Holocaust an Juden und Roma auf der Basisebene
Das Projekt konzentriert sich auf Karten, die von Überlebenden und Augenzeug:innen des Holocaust an Juden und Roma gezeichnet, verändert oder genutzt wurden, und zeichnet die vielfältigen Funktionen nach, die diese Dokumente beim Zeugnisgeben spielten. Zum einen untersucht das Projekt Kartografie als koloniale Praxis im östlichen Europa vor und während des Zweiten Weltkriegs sowie in den Nachkriegsdarstellungen einer postgenozidalen terra incognita. Zum anderen richtet es den Blick auf Versuche der Inhaftierten selbst, während des Holocaust die Topografien von Ghettos und Lagern zu dokumentieren, und analysiert die spätere Verwendung solcher Karten in Kriegsverbrecherprozessen und Ermittlungen der Nachkriegszeit. Darüber hinaus wird untersucht, wie Überlebende Karten nutzten, um ihre »tender geographies«jener Räume im östlichen Europa zu erinnern, die für sie unwiederbringlich verloren waren.
Schließlich werden die Bemühungen der Bevölkerung nachgezeichnet, den Völkermord zu kartografieren und zu memorialisieren, und es werden Kartierungen des Holocaust durch Nachbar:innen offengelegt, die mithilfe handgezeichneter Karten, durch Wege, Gänge und Gesten das Geschehene in ihren Dörfern und Städten erinnerten. Indem Karten als Zeugnisse verstanden werden, eröffnet das Projekt einen neuen Blick auf räumliche Praktiken und Affekte im Nachhall historischer Gewalt und würdigt die Geschichte und Geografie eines spezifischen Raums, der in westlichen Kontexten lange Zeit verfremdet und stereotypisiert wurde.