Thema
Armenische Kinder in europäischen Waisenhäusern
Nach dem Völkermord an Armenier*innen 1915/16 blieben ca. 40.000 Kinder verwaist zurück. Sich um diese oft traumatisierten, gewaltsam turkifizierten Kinder zu kümmern wurde zu einer besonderen Herausforderung humanitärer Akteure und hatte Auswirkungen auch in weiten Teilen Europas.
Waisenhäuser für armenische Kinder in Europa nach dem Ersten Weltkrieg
Der Völkermord an Armenier*innen 1915/16 führte dazu, dass etwa 40.000 Kinder verwaisten. Nach dem Krieg bemühten sich das Armenische Patriarchat, die britischen Besatzungstruppen in Istanbul, humanitäre Helfer*innen und Freiwillige, die verschleppten Kinder wiederzufinden. Mit dem sukzessiven Vormarsch der Kemalisten gerieten diese humanitären Bemühungen in Bedrängnis. Die Kinder mussten evakuiert werden; etliche von ihnen fanden Zuflucht in Waisenhäusern, die in den 1920er-Jahren in Griechenland, Bulgarien, Rumänien, Italien, Frankreich und in der Schweiz aufgebaut wurden und die teilweise bis in die 1930er-Jahre in Betrieb waren. Andere gelangten in bestehende Waisenhäuser der galizischen und siebenbürgischen Armenier*innen. Während Waisenhäuser für armenische Kinder im südlichen Kaukasus, in der sich bildenden Sowjetunion und in den Nachfolgestaaten des Osmanischen Reichs bereits untersucht wurden, fehlt eine transregionale Studie der Waisenhäuser in Europa. Das Projekt fokussiert auf die teils transregional vernetzten Akteure, die an der Etablierung der Waisenhäuser beteiligt waren, und auf die Perspektiven der Kinder und ihre Wahrnehmung ihrer armenischen Identität.